Sparen an der Bildung ist teuer!
Der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland LVB und die Amtliche Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrerinnen und Lehrer AKK sind sich einig: Das kürzlich vorgestellte „Entlastungspaket 12/15" hat verheerende Folgen für die Baselbieter Schulen und damit für die Kinder und Jugendlichen in unserem Kanton. Die Sparmassnamen bewirken Qualitätsabbau und verschlechtern Schulbetrieb und Unterricht. Resultat wird sein, dass weniger Jugendliche den Sprung ins Erwerbsleben schaffen werden und die Baselbieter Wirtschaft Schaden nimmt.
In den vergangenen Tagen haben sich Hunderte von Lehrpersonen aller Stufen an einer Online-Umfrage des LVB zu den Folgen des Sparpakets beteiligt. Gestützt auf die Rückmeldungen von der Basis fordern die Lehrpersonenverbände die Ablehnung der regierungsrätlichen Sparvorschläge im Bildungsbereich. Insbesondere die Kürzung der Zeitressourcen für den Unterricht ist nicht akzeptierbar. Sie ist kontraproduktiv, kurzsichtig und ausserdem widersprüchlich. Auch die meisten anderen Massnahmen gehen auf Kosten der Baselbieter Kinder und Jugendlichen.
Abbau beim Unterricht
Eine Kürzung der den Lehrerinnen und Lehrern für den Unterricht zur Verfügung stehenden Zeitressourcen verunmöglicht es, den heutigen Bildungsstandard zu halten. Sie senkt die Qualität an den Baselbieter Schulen. Eine Kürzung wäre nur verantwortbar, wenn gleichzeitig auch Teile des Berufsauftrags redimensioniert würden. Die geforderte Effizienzsteigerung wird von den Lehrerinnen und Lehrern bereits erbracht. Seit Jahren bewältigen sie bei gleich bleibenden Arbeitszeiten und real sinkenden Löhnen ein ständig wachsendes Pflichtenheft! Zahlreiche Studien und die kürzlich durchgeführte Mitarbeitendenumfrage der Bildungsdirektion belegen sogar, dass im Gegenteil grosser Bedarf für eine Aufstockung der Arbeitszeit pro Unterrichtslektion besteht.
Gefährdung von HarmoS
Eine Kürzung der Ressourcen bedroht ausserdem die angestrebte Umsetzung von HarmoS erheblich. Es genügt nicht, nur die Gelder für Planung und Einführung dieses Riesenprojekts zur Verfügung zu stellen, die Implementierung der Reformen in den Folgejahren ist ebenfalls mit Mehraufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. Noch mehr Leistung erwarten und dafür noch weniger Ressourcen zur Verfügung stellen - das ist widersprüchlich! Entweder bekennt sich die Regierung konsequent zum HarmoS-Entscheid inklusive der damit verbundenen Ressourcenfrage oder sie kommt ehrlicherweise auf diesen Entscheid zurück.
Abstriche bei den schwächeren Schülern
Auch die übrigen Abbauvorschläge der Regierung schädigen den heutigen Bildungsstandard nachhaltig. Beispielsweise sollen ausgerechnet Angebote für schwächere Schülerinnen und Schüler (KVS, BVS2) gestrichen oder gekürzt werden. Dies läuft den mit erheblichen Geldmitteln erst kürzlich aufgebauten Betreuungsangeboten für Schülerinnen und Schüler mit Berufsfindungsproblemen (BWB) diametral entgegen und würde diese Investitionen in den Sand setzen. Höchst problematisch sind auch die Aufhebung ganzer Klassen und/oder die Erhöhung der Klassenzahlen in der Sekundarschule. Viele Eltern und Kinder würden dadurch benachteiligt.
Kurzsichtige Personalpolitik
Nicht zuletzt kritisieren LVB und AKK, dass die viel zitierte Opfersymmetrie im regierungsrätlichen Sparpaket nur auf dem Papier besteht. In Tat und Wahrheit werden die Lehrpersonen als einzelne grössere Gruppe der Staatsangestellten am schwersten und einseitig getroffen. Mit den angedrohten Lohneinbussen haben sie die Hauptlast des Sparpakets zu tragen.
Der Kanton Basel-Landschaft läuft Gefahr, mit seiner Personalpolitik ein Eigentor zu schiessen: Durch die erneute Nivellierung der Arbeitsbedingungen nach unten wird die Standortattraktivität für gut qualifiziertes Unterrichtspersonal herabgesetzt. Dies ist unverständlich und steht im Gegensatz zu den Anstrengungen benachbarter Kantone. Es besteht die Gefahr, dass sich im Baselland mittelfristig nicht genug geeignete junge Menschen für eine Ausbildung zum Lehrer oder zur Lehrerin entscheiden werden.
Leistungsabbau
Der Regierungsrat verschleiert sein Abbaupaket in der Schule mit dem Schlagwort „Effizienzsteigerung". Dies ist unlauter. Die Effizienz-Zitrone ist längst ausgepresst. In Tat und Wahrheit laufen die Sparvorschläge auf Leistungsabbau in der Schule hinaus. Sie beschneiden die Bildungschancen der Baselbieter Kinder und Jugendlichen und schwächen damit den Wirtschaftsstandort Baselland.
Darum: Kein Abbau in der Schule! Sparmanöver ohne Weitblick kommen teuer zu stehen!
Kontakt:
Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland LVB
Christoph Straumann, des. Präsident LVB
061 973 97 07
christoph.straumann@lvb.ch
>>> Das ausführliche Argumentarium des LVB (pdf)

