LVB-Stellungnahme zur Mitarbeitenden-Umfrage
an den Schulen des Kantons BL 2010
Neue Signale braucht das (Basel)Land
Die Mitarbeitenden-Umfrage des kantonalen Arbeitgebers bei den Lehrpersonen bestätigt den Befund des LVB: Zu tiefe Entlohnung und zu hohe Arbeitsbelastung trüben die sonst hohe Berufszufriedenheit und Motivation der Lehrpersonen. Würde die Umfrage heute wiederholt, würde sich sogar ein weitaus kritischeres Bild der Befindlichkeit ergeben.
Der LVB schliesst aus der Umfrage, dass die Löhne angehoben, die Pflichtstundenzahl gesenkt und für die kommende Umgestaltung der Schullandschaft die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Der LVB stellt auch fest, dass die Baselbieter Regierung in der jüngsten Vergangenheit leider das Gegenteil gemacht hat. Abbaumassnahmen und Ankündigungen von Budgetkürzungen lösten eine Negativspirale aus.
Wenn dem Arbeitgeber BL an einer hohen Arbeitszufriedenheit und einer starken Motivation der Lehrpersonen gelegen ist, muss er jetzt neue, positive Signale senden. Wenn die Chance nicht genutzt wird, wächst der Unmut und sind Proteste absehbar.
Was der LVB seit Jahren feststellt, wird jetzt durch die Mitarbeitenden-Umfrage der empiricon unter Beweis gestellt: Lehrpersonen üben ihren Beruf mit Freude aus, sind motiviert und identifizieren sich mit ihrer Arbeit in hohem Masse. Grösste Problemfelder sind allerdings die zu tiefe Entlöhnung und die zu hohe Arbeitsbelastung. Beide trüben die Arbeitszufriedenheit.
Der LVB ist überzeugt, dass sich die kritischen Töne in der Mitarbeitenden-Umfrage noch stärker bemerkbar gemacht hätten, wenn die Umfrage heute gemacht worden wäre. Die Kenntnis der in der jüngsten Vergangenheit erfolgten Verschlechterungen betr. Lohn und Arbeitszeit hätte das Stimmungsbarometer deutlich sinken lassen.
Drei Kernforderungen des LVB
Die Mitarbeitenden-Umfrage 2010 bei den Lehrpersonen bringt einen Nutzen, wenn die Resultate ernst genommen, die richtigen Schlüsse gezogen und Massnahmen konsequent und zielstrebig umgesetzt werden.
Der LVB leitet aus der Mitarbeitenden-Umfrage drei Kernforderungen ab:
1. DieLöhne sind anzuheben und den Salären anzupassen, welche in Berufen mit vergleichbaren Anforderungen bezahlt werden.Die Berechtigung dieser Forderung wird auch durch die „Studie Salärvergleich Löhne Lehrberufe - Privatwirtschaft" von Price Waterhouse Coopers 2010 gestützt.
2. Die Arbeitsbelastung ist zu reduzieren. Auch die LCH-Studie zur Arbeitszeit aus dem Jahr 2009 belegt die zu grosse Arbeitsbelastung eindrücklich. Eine Schlüsselmassnahme auf diesem Weg ist die Senkung der Pflichtstundenzahlen.
3. Um die kommenden Schulentwicklungsprojekte umzusetzen und dann auch in Betrieb halten zu können, sind die notwendigen Ressourcen (Löhne, Schulraum, Arbeitszeit, ausgebildetes Personal) zu garantieren.
Schluss mit der Negativspirale - jetzt ein positives Zeichen setzen!
Mit Blick auf die anstehenden Veränderungen in der Schullandschaft ist es besonders wichtig, dass die Regierung jetzt ein Zeichen setzt. Mit positiven Signalen betr. Lohn und Arbeitszeit fördert sie Zufriedenheit und Motivation ihres Personals.
Leider waren die letzten Signale des Arbeitgebers Basel Landschaft wenig ermutigend:
- die Teuerung 2010 wurde nicht ausgeglichen;
- ein vom Arbeitgeber bereits akzeptierter Teuerungs-Rückstand aus den Vorjahren von 0,6% wurde nicht ausgeglichen;
- mit der für Lehrpersonen unbefriedigend ausgestalteten "zusätzlichen Ferienwoche" fühlen sich die Lehrpersonen geprellt;
- Die angekündigten "Rasenmäher-Budgetkürzungen" verunsichern und erodieren das Vertrauen.
Dies ist der falsche Weg. Wer bei den Lehrpersonen spart, spart bei der Qualität der Schulen und damit bei den Kindern.
Fazit
Wenn dem Arbeitgeber BL an einer hohen Arbeitszufriedenheit und einem starken Commitment der Lehrpersonen gelegen ist, muss er neue Signale senden. Jetzt ist höchste Zeit für positive Zeichen! Wenn die Chance nicht genutzt wird, wächst der Unmut und sind Proteste absehbar.
Kontakt:
Christoph Straumann, Vizepräsident und Geschäftsführer LVB
061 973 97 07
christoph.straumann@lvb.ch
Zusatzinformationen:
• Die Mitarbeitenden-Umfrage der empiricon
Der Kanton BL hat die Firma empiricon AG beauftragt, an den Schulen des Kantons Basel Landschaft eine Mitarbeitenden-Umfrage durchzuführen. Die Modalitäten der Umfrage wurden sozialpartnerschaftlich festgelegt.
Die wichtigsten Ergebnisse
63,8 % der Lehrpersonen haben an der Umfrage teilgenommen, gemäss empiricon ist das ein guter Wert.
Die Umfrage zeigt auf den ersten Blick "eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit und ein hohes Commitment". (Das Commitment setzt sich aus den Faktoren Identifikation, Fluktuationsneigung und Bereitschaft zur Leistungserbringung zusammen).
"Am besten bewerteten die Befragten die Themenbereiche Arbeitsinhalt, Arbeitsklima, Partizipation und Sozial- sowie Fachkompetenz der direkten Vorgesetzten. Die kritischsten Äusserungen finden sich zu den Themen Arbeitsbelastung, Entlöhnung, Arbeitsplatz, Leitung Direktion/Schulrat und Zusammenarbeit" - Zitat aus dem Fazit der empiricon.
Wichtige Schlussfolgerung der empiricon:
"Das Thema Entlöhnung hat den höchsten Einfluss auf das zielorientierte Verhalten und wird von den Befragten relativ kritisch bewertet. Dieses Thema beinhaltet am meisten Verbesserungspotential."
• Studien belegen den Handlungsbedarf
Die LCH Arbeitszeiterhebung 2009 belegt, dass Lehrpersonen der Volksschule jährlich durchschnittlich 133 Stunden unbezahlte Überzeit leisten.
Die Studie Salärvergleich Löhne Lehrberufe - Privatwirtschaft (Price Waterhouse Coopers - 12. Juni 2010) weist nach, dass die Löhne in den Lehrberufen wesentlich tiefer sind als diejenigen, welche in der Privatwirtschaft für Funktionen mit vergleichbaren Anforderungsprofilen bezahlt werden.
(im Netz unter: www.lch.ch > Stellungnahmen > Positionen und Pressemitteilungen:
Arbeitszeiterhebung: 08.12.2009
Salärvergleich: 12.06.2010)

