Stellungnahme des LVB zu den Regierungsratswahlen in BL

Stellungnahme des LVB zu den Regierungsratswahlen in BL

Geschätzte Mitglieder

Zu den Regierungsratswahlen im Kanton Baselland am 8. Februar 2015 hat der Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland LVB heute die folgende Medienmitteilung verschickt.

Am 8. Februar 2015 stehen die Gesamterneuerungswahlen des Baselbieter Regierungsrates an. Derzeit wird mancherorts der Eindruck erweckt, als handle es sich beim Urnengang vom 8. Februar ausschliesslich um eine Ersatzwahl für den abtretenden Bildungsdirektor Urs Wüthrich-Pelloli.

Es sei deshalb in diesem Zusammenhang an die überraschende Abwahl des SVP-Regierungsrats Jörg Krähenbühl vor vier Jahren erinnert. Etwas Ähnliches ist naturgemäss auch für die bevorstehenden Erneuerungswahlen nicht von vorneherein auszuschliessen. Eine Neuverteilung der Direktionen könnte deshalb dazu führen, dass die Bildungsdirektion zukünftig von einem der bisherigen Regierungsratsmitglieder geleitet wird.

In diesem Bewusstsein versandte die LVB-Geschäftsleitung im Oktober 2014 einen ausschliesslich die Bildungspolitik betreffenden Fragebogen an alle Kandidierenden für die Legislatur 2015-2019. Ziel des LVB-Fragekatalogs war es, von den Angeschriebenen möglichst viele Antworten auf ganz konkrete Fragen aus dem Bildungsbereich zu erhalten.

Von den amtierenden Regierungsratsmitgliedern – Anton Lauber, Sabine Pegoraro, Isaac Reber und Thomas Weber – wollte niemand den Fragebogen ausfüllen. Von den vier neu antretenden Kandidierenden – Monica Gschwind, Matthias Imhof, Daniel Münger und Regula Nebiker – liessen die drei letztgenannten ihre Antworten dem LVB zukommen. Diese wurden in der letzten Ausgabe unserer Verbandszeitschrift lvb.inform abgedruckt und sind nach wie vor online einsehbar auf http://www.lvb.ch/docs/magazin/2014_2015/02-Dezember/05_Wie_haben_Sie_s_mit_der_Bildungspolitik_LVB_1415-02.pdf

Die LVB-Geschäftsleitung stellt fest, dass Schule und Bildung in den vergangenen Tagen und Wochen im Wahlkampf und in der regionalen Presselandschaft zwar viel Platz einnahmen, klare Aussagen mit inhaltlicher Substanz jedoch dünn gesät sind. Wohl wird viel darüber debattiert, was bisher alles falsch gelaufen sei, zur Frage, wie und in welche Richtung der bildungspolitische Kurs faktisch korrigiert werden müsste, hört man jedoch nur die sattsam bekannten Gemeinplätze wie «Kosten in den Griff bekommen», «Reformtempo anpassen» oder «Auftrag der Bevölkerung umsetzen».

Abseits von wahltaktischem Geplänkel und parteipolitischen Ausmarchungen verweist die LVB-Geschäftsleitung an dieser Stelle noch einmal auf jene Themen und Herausforderungen, die aus ihrer Sicht entscheidend sein werden für die Baselbieter Bildungspolitik der kommenden Jahre:

  • Die Volksschule muss endlich wieder zur Ruhe kommen und der Kreislauf von immer mehr Grossprojekten in immer kürzeren Abständen muss durchbrochen werden. Schluss mit der unausgegorenen Hektik! «Sorgfalt vor Tempo» nicht nur verkünden, sondern auch leben! Dazu gehört es auch, zu gemachten Fehleinschätzungen stehen zu können und sich abzeichnende Fehlentwicklungen zu stoppen.
     
  • Die Lehrpersonen als Fachleute und Umsetzungsverantwortliche müssen in ihrer Professionalität ernst genommen und viel stärker mit einer echten Mitsprache an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Mehr Bottom-up, weniger Top-down! Mehr Pragmatismus, weniger Ideologie!
     
  • Die methodisch-didaktische Freiheit der Lehrpersonen ist ein hohes Gut, das keinesfalls der heilsbringerischen Überhöhung einzelner pädagogischer Modeströmungen geopfert werden darf. Authentische Vielfalt statt verordneter Einfalt!
     
  • Die bürokratische Übersteuerung des Schulwesens erstickt zunehmend die Innovationsfähigkeit der Lehrerinnen und Lehrer. Weniger Standardisierungswut, dafür mehr Vertrauen in mündige und gestandene Pädagoginnen und Pädagogen!
     
  • Qualitativ und letztlich auch finanziell kann es nicht aufgehen, immer neue Forderungen an die Schulen zu stellen und gleichzeitig die Anstellungsbedingungen der Lehrerschaft kontinuierlich zu verschlechtern (Pflichtstundenerhöhungen, jahrelang verwehrter Teuerungsausgleich, verordnete Weiterbildungen ohne entsprechende Ressourcierung etc.).

In der Presse wird zu Recht von einem Vertrauensproblem zwischen Bildungsdirektion und Lehrerschaft gesprochen. Ein erster Schritt zu einer Verbesserung wäre gemacht, wenn der Arbeitgeber sich seiner Verantwortung gegenüber den eigenen Angestellten wieder bewusst würde. Die Lehrerschaft hat mehr Wertschätzung verdient und ist weder ein Esel, auf dessen Rücken man beständig weitere Lasten auftürmen kann, noch eine Zitrone, aus der man sämtlichen Saft herauspressen soll. Dass schweizweit die Hälfte (!) aller neu ausgebildeten Lehrpersonen innerhalb von fünf Jahren die Schulen wieder verlässt, kann kein Zufall sein.

Der LVB ist eine parteipolitisch neutrale Institution und spricht vor Personenwahlen generell keine Empfehlungen aus. Als Sozialpartner des Baselbieter Regierungsrats wird es der LVB-Geschäftsleitung ein zentrales Anliegen sein, mit der neuen BKSD-Führung rasch eine intensive Zusammenarbeit zu etablieren, die zum Wohle der Baselbieter Schule von Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Respekt geprägt sein soll.

Mit freundlichen Grüssen

Ihre LVB-Geschäftsleitung


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