Start «COVID-19: Breites Testen Baselland - Schulen»

Start «COVID-19: Breites Testen Baselland - Schulen»

Geschätzte Mitglieder

Die schulinternen Informationen und medialen Berichterstattungen rund um das kommende Woche beginnende Projekt «COVID-19: Breites Testen Baselland – Schulen» haben beim LVB einige Anfragen und Rückmeldungen von Mitgliedern ausgelöst. Wichtig zu betonen ist, dass sich niemand gegen das flächendeckende Testen an sich ausgesprochen hat, die konkreten Abläufe aber wurden unterschiedlich aufgenommen. Bedingt durch die Schulferien und den gestaffelten Einstieg der Schulen in das Projekt ist davon auszugehen, dass der Informationsstand aktuell nicht überall derselbe ist. Dieser Newsletter soll auf gewisse wichtige Punkte aufmerksam machen und aufzeigen, auf welche Weise sich der LVB in den Fasnachtsferien eingesetzt hat.

Hoher Zeitdruck
Das gesamte Projekt wurde innerhalb kürzester Zeit aufgebaut. Der politische Druck ist hoch, zumal die sinkenden Fallzahlen der letzten Wochen die Chance bieten, mithilfe des Projekts Übertragungsketten zu brechen und das System zu stabilisieren. Das freiwillige breite Testen soll dazu beitragen, die Zahl der Quarantäneverfügungen zu senken und neuerliche Schulschliessungen zu verhindern.

Wie rasant die Realisierung des Projekts vonstattengeht, zeigt sich beispielsweise auch daran, dass zum Zeitpunkt der letzten Sitzung der Taskforce Corona Schulen vor den Fasnachtsfeien (8. Februar) das Konzept noch nicht finalisiert zur Besprechung vorlag. Die verantwortlichen Stellen verweisen auf das in Oberwil stufenübergreifend (Primar, Sek, Gym) erfolgreich durchgeführte Pilotprojekt.

Intensiver Austausch
Trotzdem dürfen auch in dieser Situation Gebote der Sorgfalt und berechtigte Anliegen nicht einfach übergangen werden. Dies hat der LVB der Taskforce Corona Schulen und der Projektleitung gegenüber mehrfach deutlich herausgestrichen. In drei E-Mails an die anderen Mitglieder der Taskforce hat LVB-Präsident Roger von Wartburg die an den LVB herangetragenen Vorbehalte und Kritik zusammengefasst. In der virtuellen Taskforce-Sitzung vom 23. Februar – der mittlerweile 37. Sitzung dieses Gremiums seit Beginn der Pandemie – fand ein intensiver Austausch darüber statt.

Was positiv ist: Die gemeldeten Bedenken werden ernst genommen, Antworten erfolgen prompt, die verantwortlichen Personen beim AVS und der Projektleitung nehmen sich Zeit. Eine weitere, kurzfristig einberufene Videokonferenz zwischen Roger von Wartburg und Vertretungen von VSL, AVS und der Projektleitung am 26. Februar ist Ausdruck davon.

Ein wichtiger Hinweis zu der genannten Taskforce Corona Schulen: Sie ist ein beratendes Gremium, das Empfehlungen abgeben oder Anträge stellen kann. Entscheidungskompetenzen im Rahmen der Pandemiebewältigung jedoch liegen – neben der Regierung – insbesondere beim kantonalen Krisenstab und dem kantonsärztlichen Dienst. Und innerhalb der Taskforce besteht naturgemäss auch nicht immer Konsens zu allen Fragestellungen.

Grundsätzliche Fragestellung
Eine relevante Fragestellung ist ganz grundsätzlicher Natur: Sollen Lehrpersonen als eine Art «medizinisches Hilfspersonal» eingesetzt werden können, um die Durchführung des Projekts zu ermöglichen? Für den LVB ist klar, dass in einem idealen Setting sämtliche Arbeitsschritte und Tätigkeiten rund um das Testen generell durch Gesundheitspersonal ausgeführt würden.

Fakt ist aber, dass gemäss Beschluss der verantwortlichen Stellen kommende Woche das Projekt an den Schulen (in einem ersten Schritt an den 5 Gymnasien sowie an 5 Primarschulen, 2 Sekundarschulen und einer Privatschule) unter Mithilfe der Lehrerschaft gestartet wird. Innerhalb dieses politisch gesetzten Rahmens muss ein vorrangiges Ziel darin bestehen, den Prozess sicher, professionell und ohne belastende Situationen für die Direktbetroffenen in Gang zu setzen.

Unterschiedliche Ausgestaltung
Wenn Lehrpersonen ausschliesslich dafür herangezogen werden sollen, zuhause gewonnene Speichelproben der Schülerschaft in der Schule einzusammeln und weiterzugeben, hat dies bislang keine Reaktionen hervorgerufen. Den Lehrpersonen wird jedoch nicht an jeder Schule die gleiche Rolle zugedacht. Es liegt gemäss Konzept nämlich im Ermessen der jeweiligen Schulleitung, ob die Gewinnung der Speichelproben der Schülerinnen und Schüler zuhause oder, unter Anleitung der Lehrpersonen, an der Schule erfolgt. Letztere Variante führte zu den genannten Anfragen an den LVB.

Die Projektverantwortlichen gehen davon aus, dass lokal in genauer Kenntnis aller Umstände und Faktoren (Alter, Zuverlässigkeit, Reife etc.) am besten beurteilt werden könne, ob eine Durchführung zuhause oder vor Ort zielführender sei respektive eine bestmögliche Validität der Testergebnisse begünstige. Der LVB hätte grundsätzlich ein einheitlicheres Vorgehen favorisiert – unter Berücksichtigung der Einschätzung durch die Klassenlehrpersonen bei Bedarf.

Eine Randbemerkung: Aus Sicht des LVB ist der Terminus des «Spucktests» inklusive Lama im Logo nicht ideal gewählt, weil er die Assoziation dieses (schlimmstenfalls ins Gesicht) spuckenden Tieres hervorruft. Zwecks Gewinnung der Proben muss aber nicht im eigentlichen Wortsinn gespuckt (und auch nicht gegurgelt) werden. Stattdessen spült man den Mund mit einer Flüssigkeit und sondert diese dann in ein Röhrchen ab. Ein veranschaulichender Kurzfilm ist in Produktion und wird den Schulen schnellstmöglich zur Verfügung gestellt.

Vorbehalte und Ängste ernst nehmen!
Die Corona-Pandemie hat seit mittlerweile über einem Jahr allen viel abverlangt; auch den Lehrpersonen, die das Aufrechterhalten des Schulbetriebs vor Ort möglich machen, indem sie sich täglich in vergleichsweise kleinen Räumen mit vielen anderen, oftmals sich abwechselnden Menschen aufhalten und interagieren. Die Corona-Müdigkeit und der damit verbundene Stress können dazu führen, dass zusätzliche Aufgaben eine Reaktion des «Das nicht auch noch!» auslösen – umso mehr, wenn Lehrpersonen oder deren Angehörige zu einer Risikogruppe gehören. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist und bleibt während dieser Pandemie von zentraler Bedeutung.

Dadurch, dass zentrale Entscheide zur Durchführung an die einzelnen Schulen delegiert werden, ist die lokale Lösungsfindungskultur umso entscheidender. In den Sitzungen der Taskforce Corona Schulen am Dienstag sowie der Videokonferenz am Freitag hat Roger von Wartburg von den Vertretungen aller Schulleitungsorganisationen (SLKs, VSL) die Zusage gehört, dass sich Lehrpersonen, die aus persönlichen Gründen eine allfällige Durchführung der Speichelprobe-Gewinnung ihrer Klassen an der Schule als für sich belastend empfinden, an ihre Schulleitung wenden können, um eine Lösung zu finden.

Konstruktiv pragmatische Lösungen finden
Es herrscht Einigkeit darüber, dass alle Beteiligten aufgefordert sind, konstruktiv und flexibel nach pragmatischen Lösungen zu suchen. Breite Akzeptanz kann nicht verordnet, sondern muss durch kluges Vorgehen erreicht werden, zumal gemäss Einschätzung des LVB keine rechtliche Grundlage dafür besteht, Lehrpersonen zur Speichelproben-Gewinnung ihrer Klasse im Schulzimmer zu zwingen.

Umso mehr gilt: Suchen Sie bei Bedarf das Gespräch! Denkbare Optionen wären etwa – wie von Mitgliedern bereits an uns herangetragen – die Übernahme der Tätigkeit durch eine andere Lehrperson (welche für sich persönlich kein Problem darin erkennt), die Durchführung der Speichelproben-Gewinnung an einem gedeckten Ort auf dem Schulareal an der frischen Luft oder das Aufstocken der anleitenden Personen für die Durchführung mit jüngeren Schülerinnen und Schülern.

Bei Problemen können Sie sich wie immer jederzeit an den LVB wenden.

Wir wünschen Ihnen in jedem Fall einen guten Start am Montag!

Freundliche Grüsse
Ihre LVB-Geschäftsleitung

Roger von Wartburg • Präsidium, Strategie & Medien
Isabella Oser • Beratung & Rechtshilfe
Philipp Loretz • Vizepräsidium, Publikationen & Pädagogik
Maddalena Pezzulla • Geschäftsführung & Kommunikation

Bild: © gettotext.com

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