pro Bildung BL: die Ziele der LVB-Bildungsinitiativen
Nur gemeinsam können wir Erfolg haben!

Von der LVB-Geschäftsleitung

Aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Deshalb lanciert der LVB als grösster Berufsverband des Kantons Baselland gemäss Beschluss der Delegiertenversammlung vom 16. März 2016 zum ersten Mal in seiner 171-jährigen Geschichte zwei Volksinitiativen. Dabei sind wir zwingend auf die breite Unterstützung unserer Basis angewiesen.

Klamme Finanzen, massiver Abbau

Die finanzielle Realität des Kantons Baselland präsentiert sich düster und auch mittelfristig ist keine substantielle Erholung absehbar. Als Folge davon wurde im Sommer 2015 bereits das dritte Sparpaket innerhalb von nur 12 Jahren geschnürt. In erheblichem Masse davon betroffen waren und sind die Baselbieter Schulen. Hierzu einige Beispiele:

  • An zu vielen Schulen wurde die Infrastruktur über lange Zeit hinweg vernachlässigt. Bedingt durch die klammen Finanzen werden überfällige Sanierungsprojekte immer weiter hinausgeschoben. Es gibt daher bei uns Kinder und Jugendliche, deren Unterricht in Schulbauten respektive -zimmern stattfindet, deren Zustand inakzeptabel ist.
  • Der Schwimmunterricht an den Sekundarschulen wurde an mehreren Standorten abgeschafft. Obwohl ein Schwimmbad zur Verfügung steht, soll es nicht mehr genutzt werden – um Mietkosten einzusparen.
  • Das Freifachangebot an den Gymnasien wird heruntergefahren. Damit wird erfolgreiche Begabtenförderung entsorgt.
  • Der Halbklassenunterricht an den Primarschulen wurde massiv zusammengestrichen – obwohl man durch die integrative Schulung die Heterogenität der Klassen zusätzlich erhöht hat.
  • Die Aufstockung für Klassenlager wurde empfindlich gekürzt, weshalb künftig die Schulen deutlich weniger Lager als bisher anbieten können – ein herber Verlust im Bereich des sozialen Lernens.
  • Auf der Sekundarstufe werden die Klassengrössen „optimiert“, um Lehrerstellen einzusparen. Dadurch müssen Schülerinnen und Schüler teilweise wesentlich längere Schulwege in Kauf nehmen.

Weiterer Abbau in der Pipeline

Der LVB ist im Baselbiet bestens vernetzt und pflegt zahlreiche Kontakte in die Politik. Wir haben deshalb Kenntnis davon, dass mancherorts weitere Abbaupläne schon bereitliegen.

Auch darum halten wir es in diesem Zusammenhang nicht für einen Zufall, dass just in diese Abbaukaskade hinein zum wiederholten Male die Abschaffung des Bildungsrates gefordert wird. Vielmehr erkennen wir darin einen integralen Bestandteil zur Realisierung eines noch umfassenderen Abbauprogramms an den Baselbieter Schulen in den kommenden Jahren.

Welche Optionen bieten sich?

Aus unserer Sicht bieten sich dem LVB aktuell zwei Optionen:

  • Wir erwarten die nächsten Sparpakete, um diese dann, wie bis anhin, nach Kräften zu bekämpfen.
  • Wir ergreifen – buchstäblich! – proaktiv die Initiative(n) und versuchen, mit Hilfe der Stimmbevölkerung, die politischen Hürden für weitere Sparmassnahmen an den Schulen zu erhöhen respektive einen Mechanismus zu etablieren, der das einseitige Besparen von Volksschule und weiterführenden Schulen verhindert.

Nach intensiven Diskussionen in den Verbandsgremien haben wir uns für Option 2 entschieden – im Wissen darum, dass dieses Vorhaben alles andere als leicht ist und dass wir dafür auf das Engagement vieler Helferinnen und Helfer angewiesen sein werden. Mehr als 90% der LVB-Delegierten haben diesem Vorgehen zugestimmt.

Noch mehr Bildungsinitiativen?

In der jüngsten Vergangenheit und auch in naher Zukunft kam respektive kommt es im Kanton Baselland zu Abstimmungen über bildungs- und schulpolitische Vorlagen. Die Meinungen darüber gehen weit auseinander, auch innerhalb unseres Verbandes. Die LVB-Bildungsinitiativen sind jedoch gänzlich anders gelagert. Es geht dabei nicht um bildungspolitische Partikularinteressen oder spezifische Fragen zu Stundentafeln und Lehrplänen, sondern um die Institution Schule Baselland als Ganzes.

Schüler-, Eltern- und Lehrpersoneninteressen werden gleichermassen berücksichtigt. Einzelne Schulstufen werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern, im Gegenteil, zu einer gemeinsamen Solidarität verpflichtet. Es geht uns ganz konkret um die angemessene Ressourcierung unserer Schulen und um den Zusammenhang zwischen immer neuen Sparmassnahmen und den Folgen für die Qualität und Attraktivität der öffentlichen Schule.

In diesem Sinne rufen wir mit unseren Initiativen die Baselbieter Stimmbevölkerung zu einem Bekenntnis zu einer qualitativ guten Schule Baselland auf, welche allen Kindern und Jugendlichen faire Bildungs- und Laufbahnchancen ermöglicht. Unsere Schulen sind zu wichtig, als dass sie durch immer neue Abbaumassnahmen weiter geschwächt werden dürfen!

Initiative 1: Bildungsressourcen gerecht verteilen und für das Wesentliche einsetzen!

Mit dieser Initiative fordern wir bedürfnisgerechte Schulhäuser für alle Baselbieter Kinder und Jugendlichen. Ganz allgemein verlangen wir Schulbauten, die in Sachen Bausubstanz und Ausstattung den Ansprüchen eines wirksamen Unterrichts genügen. Zu kleine Schulzimmer, undichte Dächer, fehlende Isolationen, veraltete sanitäre Anlagen, Mäuseplage und Schimmelbefall sollen überall der Vergangenheit angehören! Mit „Luxusbauten“ hat diese Forderung indes nichts zu tun.

Zu lehrplan- und lehrmittelgerechten Schuleinrichtungen gehören aber beispielsweise auch gewartete Computer in ausreichender Anzahl, mit denen man die Software, die heute einen wichtigen, teilweise gar zentralen Bestandteil vieler Lehrmittel darstellt, wie vorgesehen verwenden kann. Ebenfalls zählen Experimentiermaterial für den naturwissenschaftlichen Unterricht sowie Verbrauchsmaterialien für den handwerklichen, gestalterischen und hauswirtschaftlichen Unterricht dazu.

Ausserdem soll ein grundlegendes Vorgehen für den Fall definiert werden, dass die Politik neue Einsparungen im Bildungsbereich beschliesst. Demnach sollen in einer solchen Phase keine neuen überkantonalen Bildungsprojekte lanciert werden. Solche Projekte binden nämlich Ressourcen in zwei- oder gar dreistelliger Millionenhöhe, die dort fehlen, wo sie am dringendsten gebraucht würden: in den Schulzimmern.

Auch bereits bestehende überkantonale Projekte sollen überprüft werden. Stellen z.B. vierkantonale Checks und das darübergestülpte Bildungsmonitoring wirklich einen Mehrwert dar, auf den wir nicht verzichten können, oder generieren sie einfach noch einmal zusätzliche Verwaltungskosten, die dann im Unterricht fehlen?

Die Verwaltung soll ebenfalls ihren Sparanteil leisten. Das in der Initiative genannte Quorum von mindestens 3% ist bewusst nicht übermässig hoch angesetzt, sondern entspricht dem Anteil der Verwaltung am gesamten Personal der kantonalen Schulen. Es geht also keinesfalls um ein Bashing der Betroffenen, sondern um ein Verteilen der Lasten auf alle Schultern.

Lassen sich Sparmassnahmen an der Bildung politisch nicht verhindern, soll im Sinne der Initiative dem Verursacherprinzip mehr Rechnung getragen werden als bisher. Zu berücksichtigen ist daher, auf welchen Schulstufen – Volksschule, Sek II, Tertiärbildung und Quartärbildung – in den jeweils fünf Jahren zuvor Angebotserweiterungen zu Kostensteigerungen geführt haben. Es kann nicht sein, dass Volksschule und Sek II permanent Geld einsparen müssen für Mehrausgaben, die sie gar nicht verantworten.

Bedeutende Posten im Baselbieter Bildungsbudget sind durch interkantonale Verträge gebunden, und der Kanton kann ohne Neuverhandlung dieser Verträge nichts dagegen unternehmen, wenn die Ausgaben in diesen Bereichen Jahr für Jahr steigen. Indem die Initiative verlangt, dass bislang „unantastbare“ Posten im Bildungsbudget nicht einfach durch umso grössere Einsparungen auf anderen Schulstufen kompensiert werden können, wird Druck erzeugt, tatsächlich auch bei den interkantonalen Verträgen über die Bücher zu gehen.

Initiative 2: Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen!

Diese Initiative beabsichtigt das Installieren eines speziellen politischen Schutzes gewisser qualitativer Eckpfeiler unseres Schulsystems. Von zentraler Bedeutung ist dabei das angepeilte Zweidrittelquorum des Landrats, ohne dessen Erreichung die folgenden Verschlechterungen nicht möglich sein sollen:

  • Erhöhungen der Richt- und Höchstzahlen für Schulklassen
  • die Übertragung von Kosten des Schulbetriebs, die heute von der öffentlichen Hand übernommen werden, an die Eltern
  • die Reduktion des nicht-kopflastigen Unterrichts (d.h. der handwerklichen, gestalterischen und musischen Fächer) pro Schulstufe
  • die Senkung der individuellen Vor- und Nachbereitungszeit pro Lektion

Weshalb gerade diese 4 Aspekte?

Im Unterschied zu vergangenen Zeiten müssen heute, bedingt durch die veränderte Arbeitswelt, auch die schwächsten Schülerinnen und Schüler bestimmte schulische Leistungen erbringen können; andernfalls können sie gar nie in die Arbeitswelt integriert werden und verursachen stattdessen ungleich höhere Sozialkosten. Im Weiteren haben wir mittlerweile ganz andere Verhältnisse betreffend mangelnder Sprachkenntnisse oder an die Schule delegierter Erziehungsaufgaben. All diesen Herausforderungen kann am besten begegnet werden, wenn die Lehrpersonen Zeit für das einzelne Kind haben. Und diese haben sie natürlich umso weniger, je grösser die Klassen sind. Hinzu kommt, dass mit der integrativen Schule die Heterogenität in den einzelnen Klassen noch einmal deutlich grösser geworden ist.

Dass die öffentliche Schule weitgehend kostenlos ist, zählt zu den grössten Errungenschaften unserer Gesellschaft. Wir sehen aber, dass in einigen Kantonen Bestrebungen im Gang sind, diese Errungenschaft zu relativieren. Auch bei uns in Baselland kommt es vor, dass die Primarlehrpersonen die Eltern um Beiträge in die Klassenkasse bitten müssen, um Material für Bastel- und Werkarbeiten bezahlen zu können, weil das Budget der Gemeinde dafür nicht ausreicht. Wir sind dezidiert der Meinung, dass dies nicht einreissen darf!

Dass wir die handwerklichen, gestalterischen und musischen Fächer besonders schützen möchten, liegt daran, dass wir seit Jahrzehnten beobachten, wie immer dann, wenn neue Ansprüche an die Stundentafeln gestellt werden oder ganz einfach gespart werden soll, bei diesen angeblich nicht so wichtigen Fächern Lektionen gestrichen werden. Aufgabe der Schule muss es aber weiterhin sein, die breite Palette von Neigungen und Talenten, die in den Schülerinnen und Schülern vorhanden ist, zu fördern und sichtbar zu machen. Wir bekennen uns klar zu einem umfassenden Verständnis von Bildung. Auch ist der Ausgleich zu den übrigen kopflastigen Fächern von enormer Bedeutung. Wenn wir hier weiter sparen, richten wir grossen Schaden an. Wir folgen damit dem Beispiel des Sportunterrichts, dessen Umfang bereits heute per Bundesgesetz geschützt ist (und deshalb in den LVB-Bildungsinitiativen nicht aufgelistet werden muss).

Die heutige Schulrealität ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass immer mehr Aufgaben neben dem eigentlichen Unterricht zu bewältigen sind: mehr Teamarbeit, mehr Absprachen mit Förderlehrkräften, mehr Planungssitzungen, mehr Arbeitsgruppen, mehr Konvente, mehr verordnete Weiterbildungen, mehr Administration, mehr Elternarbeit, umfassendere Beurteilungen. Das alles geht zulasten einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung des Unterrichts – diese aber ist ein zentrales Qualitätsmerkmals von Schule. Das sorgfältige Vorbereiten einer Lektion; das präzise auf die Bedürfnisse der Klasse abgestimmte Erarbeiten von Übungsblättern; anregend gestaltete Materialien; Korrekturen und Beurteilungen, die für die Schüler transparent und nachvollziehbar sind – das alles sind Elemente eines guten Unterrichts, die Zeit brauchen und kostbar sind. Deshalb wollen wir diese Zeitressourcen verbindlich schützen.

Der aktuelle Stand

Die Unterschriftenbögen beider Initiativen werden derzeit bei der Landeskanzlei formell geprüft. Sobald beide Initiativen im Amtsblatt veröffentlicht sind, können wir mit der Unterschriftensammlung beginnen. 

Was Sie in dieser Phase tun können

  1. Besuchen und liken Sie bei Facebook unsere Seite pro Bildung BL.
  2. In den kommenden Wochen werden wir Ihnen Informationsbrochüren und Unterschriftenbögen zu den Initiativen zusenden. Es ist eminent wichtig, dass Sie in Ihrem Umfeld Unterschriften sammeln und uns zuschicken, damit wir eine stattliche Anzahl zusammenbekommen. Diese soll als Signal an Politik und Öffentlichkeit dienen, um unsere Anliegen aufzunehmen und eine Debatte darüber loszutreten. Bitte denken Sie daran, dass auch ein Unterschriftenbogen mit nur einer oder zwei Unterschriften wertvoll ist.
  3. Sensibilisieren Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis für die Inhalte unserer Initiativen. Mund-zu-Mund-Propaganda ist weiterhin ein höchst bewährtes Mittel.

Via Newsletter, lvb.inform und die Facebook-Seite werden wir Sie laufend über die weiteren Entwicklungen informieren. Wir bedanken uns im Voraus für jegliche Form von Unterstützung.